Frühling für Lüner Naziszene?

Pünktlich zu unserem kurzen Vermerk, dass es um die Lüner Naziszene relativ ruhig war, meldeten sich diese zurück. Sie entschuldigten sich auf ihrer Homepage für ihr weniges Auftreten, da sie krank gewesen seien. Scheinbar erfreuen sie sich nun wieder bester Gesundheit:

Am Samstag, dem 13. März hielten etwa 50 Nazis in Ahlen (Westf.) eine Kundgebung „gegen staatliche Repression und Medienhetze“ ab, unter ihnen befand sich neben regionalen Nazigrößen wie dem Hammer Kameradschaftsführer Sascha Krolzig, auch André Machill. Eben jene Nazis griffen auch am darauffolgenden Sonntag, dem 14. März das Backyard Café in Kamen an, in dem eine Informationsveranstaltung über die neonazistische Subkultur der „Autonomen Nationalisten“ stattfand. Die Polizei, die bereits im Vorfeld über einen Angriff von Neonazis unterrichtet war, nahm diese Drohung nicht ernst und beschränkte sich darauf zuzuschauen wie etwa 10 Besucher des Backyard Cafés den Angriff von rund 40 Nazis abwehrten. (siehe Bericht Antifa UNited) Die Nazis, die unter Anderem bewaffnet mit Eisenstangen und Teleskopschlagstöcken vor dem Backyard standen, behaupteten später, dass sie lediglich Flugblätter verteilen wollten und zufällig am Backyard vorbeigekommen und angegriffen worden wären. Die Opferrolle nehmen die Neonazis immer dann ein, wenn eine ihrer Aktionen misslingt und sie wie in diesem Falle in Polizeigewahrsam landen.
Machill Ahlen
Das Bild zeigt Machill (ganz links) auf einer Kundgebung in Ahlen am 13.03. mit Mitgliedern des „NW Unna“.

Allgemein ist in der gesamten Region Unna, Hamm, Dortmund und Ahlen ein deutlicher Anstieg rechtsextremer Aktivitäten seit Längerem zu bemerken. Dies zeigt sich einerseits in dem vermehrten Auftreten von Nazis durch das Verteilen von rassistischen Flyern, andererseits in Form von Sprühereien und Aufklebern.
Bereits vor einem Jahr wiesen wir daraufhin, dass Neonazis versuchen in Lünen Fuß zu fassen und vor allem durch das Sprühen von rechten Parolen, Hakenkreuzen und dem Schriftzug ihrer Gruppe, den „Freien Nationalen Aktivisten Lünen“ (F.N.A.L.) auffällig wurden.
In der letzten Woche tauchten in Horstmar und Niederaden, sowie in der Innenstadt flächend deckend Hakenkreuze nebst „F.N.A.L.“ Schriftzug auf. Die Polizei spricht von insgesamt 19 gestellten Strafanzeigen in Horstmar und Niederaden. Erstmals meldet sich auch die Lokalpolitik zu Wort, in Form vom SPD Politiker und Landtagsabgeordneten Rainer Schmeltzer. Mit keinem Wort wird jedoch erwähnt, dass die Schmierereien von einer regelmäßig öffentlich auftretenden Gruppe verursacht wurden, dessen Aktivitäten wir bereits mehrfach thematisierten. Es erscheint mehr so, dass es sich bei seinem Aufruf zu „Wachsamkeit“, um Wahlwerbung statt um tatsächliches Engagement handelt. Vor 5 Jahren ignorierte die SPD noch einen zeitgleich stattfindenden Infostand der NPD in der Innenstadt. (siehe Indymedia)
Schmierereien 07.04.10
Schmierereien am 07.04.10
Schmierereien 27.04.09
Schmierereien am 27.04.09

Doch nicht nur auf Schmierereien beschränkt sich die „F.N.A.L.“. In der Nacht des 27. März schlugen 4-5 Nazis einen 19- jährigen Jugendlichen vor der Shell- Tankstelle auf der Kurt Schuhmacher Straße zusammen und traten anschließend auf ihn ein. (siehe auch Schwarzer Zucker) Im Vorfeld war dieser auf der Homepage der „freien nationalen Aktivisten“ als vermeintliches Mitglied der Antifa Lünen mit Namen, Adresse und Foto veröffentlicht worden. Beteiligt bei dem Übergriff war wiederum André Machill, der bereits in der Vergangenheit durch Gewalt auf sich aufmerksam machte, indem er auf dem Hinweg zu einer Demonstration in Dorsten einen Antifaschisten am Lüner Bahnhof zu Boden schubste. Nach dem Angriff am 27. März teilte er mit, dass sein Opfer „froh sein solle noch am Leben zu sein“. Der Übergriff wird für den bereits vorbestraften Machill jedoch auch juristische Folgen haben, da die Tat von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurde und die Polizei nun wegen schwerer Körperverletzung gegen ihn ermittelt. Nach der Hausdurchsuchung im letzten Jahr stehen ihm nun also erneut unruhige Zeiten bevor. Neben Machill tritt vor allem auch immer wieder Marc S. in Erscheinung, so auf Demonstrationen in Leipzig und Venlo (NL) , aber auch bei regionalen Nazifeiern.
Machill, Schmidt in Venlo
Lüner Nazis bei einer Demonstration der NVU in Venlo (NL)

Die F.N.A.L. trifft sich zudem regelmäßig in der Gaststätte Lindenklause an der Kurt Schuhmacher Straße, direkt gegenüber der Shelltankstelle. Die Wirtin scheint sich an ihren rechtsextremen Besuchern ebenso wenig zu stören, wie an einem großen „F.N.A.L.“ Schriftzug unmittelbar neben ihrer Kneipe.

Erfreulich ist, dass nahezu sämtliche Schmierereien bereits unmittelbar nach ihrem Erscheinen übermalt wurden und auch die AnwohnerInnen den Nazis zeigen, dass sie ihrem stumpfen Parolen und Symboliken ablehnen. Mittlerweile sind bei der Polizei etwa 26 Strafanzeigen eingegangen, der Staatsschutz hat seine Ermittlungen aufgenommen. Beide zeigen sich jedoch wie eh und je unfähig zu erkennen, wer für die Schmierereien verantwortlich ist. So sind die Schmierereien eindeutig der „FNAL“ zuzuordnen, deren Mitglieder sich öffentlich mit eigenen T-Shirts und Transparenten zeigen. Die Presse schreibt, dass es noch nicht geklärt wäre, „ob es Rechtsradikale waren oder andere Täter, die aus Langeweile Nazi- Symbole an Wände schmierten“. Dass nebst den Hakenkreuzen immer wieder das Kürzel der „FNAL“ auftaucht, kann nicht zugeordnet werden. An dieser Stelle muss Aufklärung betrieben werden über die aktuelle Entwicklung der Naziszene.
FNAL Leipzig
Mitglieder der F.N.A.L. am 17.10.09 in Leipzig.
Schmidt, Machill in Kamen
Marc S. und André M. in „F.N.A.L.“ Shirts.

Die letzten Vorkommnisse zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist sich nicht auf Stadt und Polizei zu verlassen, sondern selbst aktiv zu werden! Entfernt Nazischmierereien, meldet uns Naziaktivitäten und macht Naziangriffe unmöglich!
Schicken wir die Lüner Nazis gemeinsam zurück in den Winterschlaf!

Pressespiegel:
Ruhr Nachrichten vom 7.4.
Ruhr Nachrichten vom 8.4.
WAZ vom 8.4.
Lüner Anzeiger vom 7.4.

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3 Antworten auf “Frühling für Lüner Naziszene?”


  1. 1 hmm 08. April 2010 um 23:41 Uhr

    hm, dass muss aber n ziemlich schlechter angriff gewesen sein, denn wennn es echt geplantw ar, hätten die nasen doch iwas ins cafe geworfen,um die antifas raus zu holen?

    Moderation:
    An dieser Stelle möchten wir noch einmal auf den Artikel der Antifa UNited verweisen:
    „Die Rechten, die mit dem Nahverkehrsbus bis Kamen Markt angereist waren, liefen zielstrebig zum GAL-Zentrum in der Güldentröge. Dort angekommen begannen sie mitgeführte Wurfgeschosse in den Hof zu schmeißen. In der minutenlangen Straßenschlacht versuchten sie mehrfach unter Parolen wie „Hasta la Vista, Antifascista“ („Auf Wiedersehen, Antifaschismus“) in den Hof vorzudringen, wurden daran jedoch von den anwesenden Besucher_innen der Veranstaltung gehindert. „

  2. 2 Schwarzer Zucker 09. April 2010 um 0:36 Uhr

    Der Herr M. ist ein richtiger Augenschmaus!

  3. 3 james dean 09. April 2010 um 20:58 Uhr

    hallo, hab mal die naziseite aus lünen „betrachtet“…mal im ernst, dass mit der farbe macht mich schon ein wenig stutzig;)

    Moderation:
    Wie bereits im Artikel vermerkt, verstehen sich die Nazis besonders gut darauf sich in der Opferrolle zu inszenieren. Behauptungen, dass die Schmierereien alle aus der Hand der Antifa Lünen stammen würden, entbehren jeglicher Realität. Ein Foto im Lüner Anzeiger, dass zum Beweis angeführt wird, zeigt die Rückseite des leerstehenden Hertiegebäudes, auf der in ebenfalls roter Farbe „Antifa“ steht. Verschwiegen wird jedoch, dass dies bereits seit ca. 3 Monaten dort steht und nicht erst seit Mittwoch dieser Woche.
    Welchen Sinn würde es zudem machen zeitgleich Nazisymbolik zu sprayen und gleichzeitig „Antifa“? Dies würde einem Bekennerschreiben gleich kommen und den Sinn der Verleumdung der „F.N.AL.“, den eben jene dahinter sehen, zunichte machen.
    Mitglieder der Antifa Lünen haben zu keinem Zeitpunkt Nazisymboliken, Schriftzüge von Nazigruppierungen oder sonstige rechten Parolen gesprayt. Davon abgesehen wurde ein Großteil der Hakenkreuze und „F.N.A.L.“ Schriftzüge mit schwarzer Farbe gesprüht.

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