Jubel, Trubel, Heiterkeit – der 8. Mai, Tag der Befreiung!

Der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde in Lünen gebührend gefeiert. AntifaschistInnen zogen mit Tröten, Fahnen, Sekt und Konfetti durch die City und verteilten Flyer. Zeitgleich wollten die Lüner Nazis nicht mit uns feiern, sie trauerten lieber mit anderen Kriegsverlierern bei Kundgebungen in Hamm und Ahlen unter dem sinnigen Motto „8. Mai wir feiern nicht!“. Der 8. Mai ist für wackere Nationalsozialisten nun auch wahrlich kein Grund zum Feiern, bedeutet dieser Tag für sie doch die totale Niederlage des von Millionen Deutschen gewünschten „totalen Krieges“. Eine Niederlage am 8. Mai erlebte auch die NPD Unna, dessen Wahlkampfstand und Personal schon kurz nach dem Aufbau am Boden lag.
spirit of 45

Für uns als AntifaschistInnen ist der 8. Mai ein Tag zum Feiern! Wieso wir jedoch nicht vollkommen glücklich sind am 8. Mai, zeigt der verteilte Flyer:

GAME OVER KRAUTS!
Als die Amis kamen…

…war Deutschlands Schicksal besiegelt. Die Wehrmacht kapitulierte am 8. Mai 1945, das Datum markiert damit das Ende des 2. Weltkrieges, sowie das Ende des Nationalsozialismus. Dies muss gefeiert werden, denn „ wer nicht feiert, hat verloren“!

Bei allem Grund zur Freude darf man jedoch auch 65 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus nicht vergessen, dass es immer noch Menschen gibt, die exakt das gleiche nationalistische, antisemitische und rassistische Weltbild vertreten durch das 1933 Hitler in Deutschland an die Macht kam. Ein Gros der deutschen Bevölkerung 1933 wollte den Nationalsozialismus oder sympathisierte zumindest mit ihm. Aktiver Widerstand bildete sich nur vereinzelt und war auf Grund der Unterstützung großer Teile der Bevölkerung und der „von oben“ geleiteten Gleichschaltung, nicht erfolgreich. Die Situation heutzutage hat sich geändert. Explizit nationalsozialistische Parteien und Gruppierungen finden nur geringen Zulauf und eine geringe Unterstützung, dennoch ist jede Stimme für Parteien wie NPD und „pro NRW“ eine Stimme zuviel! Im Kreis Unna tritt auch die NPD bei der morgigen Landtagswahl an – unterstützt werden sie in ihrem Wahlkampf von sog. „Freien Kräften“, d.h. Nazigruppen mit loser Mitgliedschaft. In Lünen gibt es seit dem Jahr 2009 die Gruppe „Freie Nationale Aktivisten Lünen“, die vor allem durch das Schmieren von Hakenkreuzen nebst Abkürzung ihres Gruppennamen (F.N.A.L.) auffiel. Von Polizei und Presse wurden die Schmierereien jedoch herunter gespielt, laut Aussagen der Polizei gäbe es in Lünen keine rechte Szene. Diese Aussage ist mehr als nur skandalös, macht sie doch jegliche Bestrebungen zunichte, die über die tatsächliche Situation aufklären wollen und ein Konzept dagegen zu finden versuchen. Zudem beweist dies einmal mehr, wie wenig Stadt und Polizei gegen das Naziproblem unternehmen. Bislang war die einzige Aktion der Stadt sich an der Plakataktion des Kreises Unna gegen Rechtsextremismus zu beteiligen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung und Aufklärungsarbeit fand bislang nicht statt. Doch es ist Zeit daran etwas zu ändern!
Es sollte zudem selbstverständlich für Jeden sein, sich gegen Nazis zu stellen, jedoch scheitert dies daran, dass das Weltbild vieler Menschen ebenfalls von Nationalismus und Rassismus geprägt ist, auch wenn es sich nicht so radikal äußert. Strukturell ist der Unterschied jedoch äußerst gering. Die Ursachen dafür sind vielfältig und kaum in einem oder zwei Sätzen erklärbar, eine radikale Kritik daran jedoch unumgänglich.
Wenn Sie also morgen früh wählen gehen, wählen sie sorgfältig. Überlegen sie sich, ob sie mit rassistischen Sondergesetzen für Flüchtlinge und Migranten einverstanden sind, eine Konkurrenzgesellschaft, die permanent Tote fordert unterstützen, ob das kapitalistische Wirtschaftssystem, das periodisch wiederkehrende Krisen, Naturkatastrophen und soziale Not hervorruft oder Parteien, die in der Tradition des Nationalsozialismus stehen, tatsächlich das Beste ist.
Wir geben keine Wahlempfehlung ab, denn zum Einen lehnen wir die parlamentarische Demokratie ab und fordern eine basisdemokratisch organisierte Gesellschaft, zum Anderen sehen wir nicht, dass eine der Parteien tatsächlich die Ursachen für die herrschenden, globalen Missstände verstanden hat – die auch mitverantwortlich sind für das entstehen faschistischer Bewegungen – und adäquate Lösungen bietet.
Die Wurzel des historischen und aktuellen Nationalsozialismus liegt in bestehenden nationalistischen Ressentiments in der Bevölkerung und einem Opfermythos, der besagt, dass Deutschland zwar Schuld sei am Krieg, die deutschen Soldaten jedoch allesamt zum Kämpfen gezwungen wurden und das Vorgehen der Alliierten nicht angemessen war. Zur Beendigung des Nationalsozialismus und damit der Beendigung des Holocausts und des Krieges, war jedoch nahezu jedes Mittel legitim und nötig. Am 8. Mai gilt es daher an die Taten der Deutschen vor 70 Jahren zu erinnern, den Alliierten, trotz allen Fehlern nach und vor dem 2. Weltkrieg, zu danken und die aktuellen Zustände zu kritisieren & zu ändern!

Faschisten bekämpfen – damals wie heute!
Für eine Welt ohne Nazis und Nationen!

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