Pressemitteilung: Die ewig reaktionäre Forderung nach der Todesstrafe für Kindesvergewaltiger…

Lünen. „Demo gegen Kindesmissbrauch“ – unter diesem Motto hatte die
Lünerin Susanne Schierenberg für Samstag, den 29. Mai, auf dem Marktplatz
zu einer zweistündigen Kundgebung auf den Marktplatz eingeladen. In ganz
Deutschland wurden an diesem Tag Demonstrationen und Kundgebungen aus
Solidarität mit den Opfern von Kindesmissbrauch veranstaltet, so auch in
Lünen.
Bereits um 12.30 Uhr begannen sich auf dem Willy-Brandt-Platz die ersten
zehn Demonstranten zu sammeln, hierbei handelte es sich um einschlägig
bekannte Neonazis aus dem Umfeld der „Aktionsgruppe Ruhr Mitte“, die
bereits in der Vergangenheit an bürgerlichen Demonstrationen und
Kundgebungen gegen Kindesmissbrauch teilnahmen und die „Todesstrafe für
Kinderschänder“ forderten. Um 13 Uhr, dem offiziellen Beginn der
Veranstaltung, fanden sich insgesamt 30 Personen vor dem Rathaus ein,
darunter ca. 20 Nazis und einige Mütter und Väter mit ihren Kindern, die
scheinbar dem Organisationsteam angehörten. Ein Polizeiwagen war ebenfalls
vor Ort.

Orga_Nazis_Luenen

Die Organisatorin, bzw. das Organisationsteam hatte scheinbar kein Problem
damit, dass ein Großteil ihrer Kundgebungsteilnehmer aus Neonazis bestand,
die auf Plakaten und T-Shirts die „Todesstrafe für Kinderschänder“
forderten. „Dies ist ein Zustand der nicht hinnehmbar ist“, so Carsten
Petterson, Sprecher der Antifa Lünen. „Das Thema Kindesmissbrauch und
generell der des sexuellen Missbrauchs ist ein wichtiges Thema und
spiegelt die immer noch sexistischen und patriarchalen Strukturen unserer
Gesellschaft wider. Die Kundgebung jedoch entsprach in keinem Falle einer
Kritik an den gesellschaftlichen Zusammenhängen und beinhaltete lediglich
stumpfe Parolen wie „Schützt die Schwächsten (Kinder) unserer
Gesellschaft“, wie es auf einem der Plakate der Organisatorinnen zu lesen
war.
Dass Susanne Schierenberg als Organisatorin nicht in der Lage ist, sich
von Nazis, die eine Einführung der Todesstrafe fordern, zu distanzieren
und diese von ihrer Kundgebung auszuschließen, sondern mit diesen auch
noch paktiert ist ein unzumutbarer Zustand für alle Opfer sexuellen
Missbrauchs. Kindern ist keinesfalls damit geholfen Vergewaltiger zu töten
viel mehr müssen die Ursachen hier für konsequent bekämpft werden.“
Neben den Organisatoren und den Nazis trat noch eine weitere Gruppe auf,
die sich selbst als missbrauchte Heimkinder auf T-Shirts darstellte, doch
auch diese störten sich nicht an den anwesenden Nazis. Besonders
abscheulich war das Bild zweier Familienväter, die mit ihren etwa 3 bis 5-
jährigen Kindern anwesend waren und ebenfalls T-Shirts mit der Aufschrift
„Todessstrafe für Kinderschänder“ trugen. „Es ist widerlich mit anzusehen,
wie Menschen ihre Kinder benutzen, um für ihre menschenverachtenden
Positionen zu werben“, so Petterson. Die beiden Herren schienen zudem eng
mit den anwesenden Nazis aus Lünen, Dortmund und dem Kreis Recklinghausen
befreundet zu sein.
Nach Auflösung der Kundgebung, zogen die vornehmlich schwarz- gekleideten
Neonazis mit einem Transparent der Organisatorin etwa 200 m durch die
Stadt und riefen „Kinderschänder, stellt sie an die Wand!“ und ähnliche
Parolen, ungehindert von der Polizei. „Dies zeigt einmal mehr wie unfähig
die Lüner Polizei im Umgang mit Neonazis ist. Es ist Aufgabe der Polizei
solch eine Demonstration zu verhindern, stattdessen entfernte sich das
einzige Polizeiauto auch noch und ließ den Nazis wortwörtlich freien
Lauf.“
Das Auftreten von Nazis in diesem Ausmaß ist in Lünen bislang ungewöhnlich
gewesen, allerdings wiesen wir in den vergangenen Monaten mehrfach
daraufhin, dass die Lüner Nazigruppierung „F.N.A.L.“ gut vernetzt mit
anderen regionalen Gruppen ist. Erst am Mittwoch tauchten fünf Nazis aus
Lünen, Hamm und Dortmund, die der „Aktionsgruppe Ruhr Mitte“ angehören,
bei einer Diskussions- und Informationsveranstaltung über die rechte Szene
Lünens auf.
„Die neuerlichen Auftritte von Nazis bestärken uns darin, dass es wichtig
ist, ein breites Aktionsbündnis gegen rechts aufzustellen. Ferner fordern
wir Susanne Schierenberg dazu auf, sich öffentlich zu dem Charakter und
den Teilnehmern ihrer Kundgebung zu erklären.“

Orgateam

Machill_Nazis_Luenen

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4 Antworten auf “Pressemitteilung: Die ewig reaktionäre Forderung nach der Todesstrafe für Kindesvergewaltiger…”


  1. 1 Lüner 31. Mai 2010 um 21:04 Uhr

    Ich bin Jugendlicher und lebe seit meiner Geburt in Lünen, ich gehöre zwar keiner politischen Gruppierung an, aber ich bin linkspolitisch eingestellt und daher macht mir die entwicklung hier in Lünen große Angst, die Nazis schießen scheinbar aus den Boden und diese Demo hat dies nur bewiesen. Und ich finde es unverständlich, dass soetwas von den organisatoren und Bürgern akzeptiert wird, dass Nazis mit ihnen demonstrieren. Wie kann das sein? Egal um welches Thema es geht, keine Solidarität mit Rassisten!

  2. 2 blauer klaus 01. Juni 2010 um 10:34 Uhr

    Vielen dank das ihr am Samstag da wart und das ihr die Politik mal außen vor gelassen habt, um gegen etwas zu demonstrieren, was zu oft und gerne unter den Teppich gekehrt wird!

    Ups ich vergas ihr Wart ja nur da um Fotos zu machen und auf eurer Weltnetzseite mich und meine Frau sowie meinen Bruder als Nazi zu betiteln, weil wir auf Schildern die Todesstrafe für Kindermörder fordern!

    PS. Wir haben nichts mit der Veranstalterin oder mit den Nazis zutun! Und würdet ihr mich und meine Familie kennen und das, was uns passiert ist, und was wir durchmachen musten, würdet ihr nicht so einen Scheiß schreiben!

    MfG ein betroffener Vater


    Anmerkung:
    Bezeichnend ist die Verwendung von Naziterminologie wie „Weltnetzpräsenz“.

  3. 3 Lüner Aussiedler 01. Juni 2010 um 21:02 Uhr

    @blauer Klaus: anscheinend ist der Name Programm und das „blaue“ mehr als wahr…

    Wird auf diesen Fotos irgendjemand als Nazi tituliert?Es sind Fotos der Kundgebung, auf der Nazis anwesend waren, nicht mehr und nicht weniger… Und wer so menschenverachtend für die Todesstrafe demonstriert, sich mit Nazis solidarisiert und solche Texte im „Weltnetz“ von sich gibt ist mehr als nur lächerlich, er ist verachtenswert…

    Ich kenne Ihre Geschichte nicht, aber sie rechtfertigt nicht sich auf eine Stufe mit Mördern zu stellen!Dieses System ist krank und nicht die Menschen,durch die es sich tagtäglich reproduziert.Natürlich ist es einfacher die Todesstrafe zu fordern, statt gegen die Ursache für Vergewaltigungen vorzugehen…Aber da reicht entweder der Verstand nicht aus oder es wurde mal wieder zu tief ins Glas geschaut…

    In diesem Sinne: C2 Ahoi!

  1. 1 Salonfähig? « Pingback am 05. Juni 2010 um 14:10 Uhr
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