Machill entkommt knapp Haftstrafe

Lünen. Der Strippenzieher der Lüner Nazigruppierung „Freien Nationale Aktivisten Lünen“ (im Folgenden F.N.A.L.) A. Machill., wurde vom Lüner Amtsgericht am 6. August zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, die für 2 Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Machill war bereits wegen drei anderen Delikten vorbestraft.

machill schweinfurt nazi
A. Machill am 1. Mai in Schweinfurt(2.v.l.)

A. Machill war am 30. April 2009 mit einem Kameraden beim Sprühen von Hakenkreuzen und Naziparolen an der Stadttorbrücke (vor der SPD Geschäftsstelle) erwischt worden. Machills mitangeklagter Kamerad hätte angeblich lediglich die Schablonen gehalten. Daraufhin kam es am 17. Juli nach einem Outing von Machill in seiner Nachbarschaft, zu einer Hausdurchsuchung seiner Wohnung. Die Polizei beschlagnahmte den PC des Nazikaders, sowie einige andere Sachen und fotografierte zudem die originelle Einrichtung des 24-jährigen: schmucke Hakenkreuzfahnen, damit auch jeder weiß mit wem man es bei Machill zu tun hat. Kurz nach der Hausdurchsuchung beklagte sich Machill auf der F.N.A.L. Internetpräsenz, dass er vollkommen zu Unrecht beschuldigt worden sei Hakenkreuze gesprüht zu haben. Vor Gericht nun räumte er die Schmierereien ein. An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass es sich bei den gesprühten Hakenkreuzen in Lünen nicht um das Werk prepubertärer Jugendlicher handelt, sondern das Werk einer neonazistischen Gruppe ist, die auch gewalttätig gegen ihnen unliebsame Personen vorgeht.

So auch geschehen in der Nacht des 7. November 2009, als Machill in der Horstmarerstraße unweit seiner Wohnung zwei Jugendliche mit den Worten „Heil Hitler“ begrüßte und anschließend auf Grund unliebsamer Aufnäher mit einer Bierflasche auf einen der Jugendlichen einschlug. Aufmerksame Anwohner verhinderten Schlimmeres, indem sie den Jugendlichen zur Hilfe eilten.
Bei einer weiteren Aktion sprühte Machill einem Opfer Pfefferspray in die Augen.
Laut Gericht wirkte sich strafmildernd aus, dass Machill seit Längerem in einer festen Beziehung leben würde und er seit dem 15. Juli eine befristete Arbeitsstelle habe. Ob seine Freundin wirklich positiven Einfluss auf Machill hat, mag man stark bezweifeln, war sie doch laut Aussagen des Opfers, gemeinsam mit Machill an einem gewalttätigen Übergriff auf einen Antifaschisten am 27. März beteiligt. Ob sein neuer Arbeitgeber seinen befristeten Vertrag verlängert oder generell noch die Schlosserfähigkeiten von Machill schätzt bleibt ebenfalls fraglich.

Neben den juristischen Folgen, hat es Machill auch im Alltag nicht leicht. So beklagte er sich auf der F.N.A.L. Homepage darüber, dass es zahlreiche Aktionen gegen seine Personen gegeben hätte: „Ob Briefe schreiben, Scheibe einschmeißen, Schloss zukleben oder Wände beschmieren.“ Weder orthografisch hat Machill, der von einigen böswilligen Zungen auch „Rattenjunge“ bezeichnet wird, dazu gelernt, noch politisch. Weiterhin ist Machill auf Demonstrationen anzutreffen, hilft der NPD beim Wahlkampf und lotst Nazigruppen aus der Umgebung nach Lünen, um die „Todesstrafe für Kinderschänder“ zu fordern.

Inwiefern das Gerichtsurteil angemessen war und ob Machill daraus tatsächlich lernt, wird die Zukunft zeigen. Festzuhalten bleibt, dass es sich bei den Aktionen nicht um das Werk eines orientierungslosen Jugendlichen handelt, sondern um die Taten eines Überzeugungstäters, der sich in der Tradition des Nationalsozialismus sieht. An geeigneter Stelle wird mit Sicherheit über neuerliche Heldentaten von Machill berichtet werden…

(siehe auch Ruhr Nachrichten, 7.8.10, Lüner Lokalteil, S.4)

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