Nazistraßen umbenannt

Agnes Miegel und Karl Wagenfeld waren nicht nur Dichter, die im NS verehrt wurden, sondern sich aktiv beteiligten. Dennoch sind in ganz Deutschland immer noch Straßen nach den als “Heimatdichtern” verharmlosten Nazis benannt. Eine Historikerkommision empfohl vor wenigen Wochen die Umbenennung von Straßen, die nach Miegel oder Wagenfeld benannt sind. Die Stadt Lünen hat daraufhin den Ältestenrat damit beauftragt eine Entscheidung zu fällen. Dies wird jedoch frühestens im September geschehen. Unbekannten genügte dies jedoch nicht. Sie benannten die Straßen am vergangenen Wochenende um und verteilten Flyer an die Bewohner/-innen der Agnes Miegel und Karl Wagenfeld Straße.

Wir schließen uns ihrer Forderung an: Für die sofortige Umbenennung der Agnes Miegel und Karl Wagenfeldstraße!
Keine Strassen für Nazis!

Hier der Wortlaut des Flugblattes:

Liebe Anwohnerinnen und Anwohner,

gestern Nacht kam es zu mehreren Straßenumbenennnungen in Ihrer Nähe und im folgenden möchten wir Sie über deren Hintergründe und die Bedeutung aufklären.

Zum Einen wurde die “Agnes-Miegel-Straße” umbenannt, da es für uns nicht hinnehmbar ist, dass eine Frau gewürdigt wird, die sich aktiv zum Nationalsozialismus bekannte und die neben dem Verfassen glorifizierender Hymnen auf Adolf Hitler auch durch ihre Mitgliedschaft in der NS-Frauenschaft und der NSDAP auffiel. Im Oktober 1933 gehörte sie zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten und distanzierte sich auch nach 1945 nicht vom Nationalsozialismus und seinen Taten.
Die Umbenennung dieser Straße in “Thomas-Schulz-Straße” soll zum Einen den Missstand der Verharmlosung aktiver Nutznießer der Terrorherrschaft beenden und zum Anderen den Personen gedenken, die sich zwischen 1933-45 und danach, gegen menschenverachtende Ideologien und ihre Verteter positionierten. Thomas Schulz war ein Dortmunder Punk, der am Abend des Ostermontags (28.3.2005) von Sven Kahlin, einem rechten Skinhead in der Dortmunder U-Bahnstation “Kampstraße” kaltblütig erstochen wurde, nachdem Thomas Schulz die rechten Parolen Kahlins nicht unbeantwortet lassen wollte. Das politische Motiv dieser Tat, wurde von der Dortmunder Justiz bestritten und Sven Kahlin wegen Totschlags verurteilt. Aufgrund “guter Führung” wurde allerdings Ende 2010 wieder in die Freiheit entlassen, wenige Zeit später fiel er wieder durch Angriffe auf Andersdenkende auf.
Zum Anderen wurde die “Karl-Wagenfeld-Straße” in “ Siegmund-Kniebel-Straße“ umbenannt. Karl Wagenfeld war ein in Lüdinghausen geborener deutscher Dichter, welcher unteranderem Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes (WHB) war und sich als Repräsentant fremdenfeindlicher und rassistischer Anschauungen hervortat, die mit der nationalsozialistischen Ideologie übereinstimmten. So begrüßte er die Machtübernahme der Nationalsozialisten als Erfüllung der Ziele der Heimatbewegung und propagierte den Nationalsozialismus innerhalb des Heimatbundes, wo er nur konnte. Rainer Schepper (deutscher Autor, Publizist und Rezitator) sagte zum Menschenbild Wagenfelds folgendes:“Neger, Kaffern und Hottentotten sind Halbtiere, Fremdrassige sind Volksverderber und Schädlinge, Menschen in ‘Krüppel- und Idiotenanstalten’, in Fürsorgeheimen und Strafantalten sind körperlich und geistige Minderwertige. Es ist jenes Menschenbild, das der Nationalsozialismus zur Errichtung seiner Ideologie vom Herrenmenschen und Untermenschen, zum Erlaß der Nürnberger Gesetze vom 16.9.1935, zur Euthanasie geistig und psychisch kranker Menschen, zum Kampf gegen alles ‘Artfremde’, zum Krieg gegen ‘Frankreichs Haß’ und ‘Polens Gier’ benötigte und benutzte.”
Siegmund Knebel hingegen war einer der jüdischen Männer, die in der Schreckensnacht vom 9. auf den 10. November durch Nazis in Lünen ermordet wurden. Diese Straße soll nicht länger einen Mann ehren, der eine menschenverachtende Ideologie vertrat und dem Nationalsozialismus mehr als zugetan war, sondern soll ein mahnendes Beispiel dafür sein, wohin Rassismus und Fremdenfeindlichkeit führen.
Wir fordern die Stadt Lünen hiermit auf die Straßen “Agnes-Miegel-Straße” und “Karl-Wagenfeld-Straße” unverzüglich umzubenennen und klar Stellung zu diesem Thema zu beziehen.

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